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Logbuch New York – Steffen Böttcher

imageIch muss wirklich lange und scharf nachdenken, wann ich das letzte Mal ein Fotobuch mit farbigen Fotos gekauft habe – habe ich überhaupt mal eines gekauft??
Das liegt sicher nicht daran, dass ich die Farbfotografie ablehnen würde, vielmehr ist es so, dass mich die wenigsten farbigen Bilder wirklich erreichen oder bewegen – meist sind sie mir zu laut und/oder ich mag die Farbstimmung nicht, kurz: ich finde ganz schnell ganz ganz viele Dinge, die ich an einem Farbbild nicht mag oder aus irgendwelchen Gründen zu bekritteln habe.
Vielleicht sind sie mir auch meist zu nah an der Wirklichkeit, zu realistisch.

Nur ganz ganz selten mal bleibe ich an farbigen Bildern wie denen von Steffen Böttcher hängen – aber an diesen mit Wucht!

Da traut sich endlich jemand an Unschärfen – und was für wunderbare!
Und feiert Melancholie – traumhaft!
Und wählt mattes ungestrichenes Papier – auch für den Einband – Begeisterung – auch das Buch einfach nur in der Hand zu haben ist eine Freude!

Dieses Logbuch ist für mich, als ob jemand aus meinen eigenen Erinnerungen Fotos gemacht hat, das fühlt sich sehr eigenartig an, aber es begeistert mich komplett.
Die Fotos sind mit einer Art Riesen-Lensbaby für eine Pentax 654D (!) und einer Ricoh GR aufgenommen worden, das heißt, es gibt eigentlich nur zwei Brennweiten in diesem Buch, 125 mm und 28 mm. Das Konstrukt für die Pentax sieht ein bisschen aus wie der Rüssel eines traurigen Elefanten und das daran geschraubte Objektiv ist glaube ich ein ziemlich mitgenommenes Projektions-Objektiv – also schon allein das eine spannende Kombi – ich kann mir gut vorstellen, dass man damit sogar in New York ein paar Blicke auf sich zieht 😉

Steffen Böttcher hat das Buch kuratieren lassen und das hat, wie er selbst sagt, die Dramaturgie komplett verändert, es sind wohl einige Bilder rausgeflogen, an denen Steffen sehr hing (weil viel Arbeit oder schwierig oder viel Herz 😉 und er musste auch seine ursprüngliche Idee, ein großes Bild, das eine Geschichte erzählt  mit einem kleinen Bild zu kombinieren, welches ein Detail der großen Geschichte zeigt, verwerfen, da der Kurator komplett andere Zusammenstellungen im Sinn hatte.
Ich finde diesen Part ja unglaublich schwierig, auch schon sehr kleine Zusammenstellungen von 3 bis 5 Bildern zu finden ist harte Arbeit und ich bin immer super dankbar, wenn mich da jemand unterstützt, der emotional nicht so mit den Bildern verbunden ist und auch wenn ich das ursprüngliche Konzept dieses logbuchs unglaublich spannend finde und ja gar nicht gesehen habe, kann es eigentlich nicht besser gewesen sein, als das Ergebnis: Die im Buch zusammengestellten Sequenzen sind absolut gelungen, ich habe wirklich selten ein derart stimmig komponiertes Buch gesehen! Uns das, obwohl da verschiedene Techniken mit verschiedenen Farbwelten zusammenkommen, Farbbilder und schwarz-weiss Bilder zusammenkommen – als schwierig hoch 3!
Ich kann an einzelnen Bildern lange sitzen und vor mich hin spintisieren, es fühlt sich an, als wäre ich selbst dort, als könnte man ein Teil dieser New York Geschichten sein, die Steffen Boettcher erzählt.

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