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Eigentlich müssten wir tanzen – Heinz Helle

tanzenFünf Männer, die seit ihren Jugendtagen befreundet sind, treffen sich für ein Wochenende auf einer Berghütte. Als sie wieder in die Zivilisation zurückkehren wollen, müssen sie feststellen, dass es diese nicht mehr gibt, die Dörfer brennen oder sind verwüstet, die Geschäfte geplündert, es gibt kaum Nahrung, kaum Brennstoff, überall liegen Leichen und Tierkadaver. Ohne ein wirkliches Ziel oder Hoffnung zu haben, versuchen sie, in ihre Heimatstadt zurück zu laufen.
Schon auf den ersten Seiten treffen sie auf zwei Überlebende, eine halberfrorene Frau, die sie alle nacheinander vergewaltigen und auf ein verzweifeltes Kind, dessen Eltern ein paar Schritte weiter erschlagen im Schnee liegen. Die einzigen Überlegungen der Hauptperson :’Das Kind ist noch recht gut genährt, es wird bestimmt noch eine Woche überleben‘.

Das dürfte eines der kältesten und  grausamsten Bücher sein, das ich jemals gelesen habe. Innerhalb kürzester Zeit verrohen die Protagonisten, sie zeigen keinerlei Mitgefühl oder Menschlichkeit mehr. Diese Reise hat auch gar keinen wirklichen Grund, der Erzähler (der ohne Namen bleibt) sagt einmal: ‚Wir haben einfach noch keine Lust, zu erfrieren, warum, können wir auch nicht genau sagen, wir wissen nicht, worauf wir warten oder was wir zu finden hoffen auf unserem Marsch‘.

Heinz Helle schildert diesen Marsch so nüchtern und so emotionslos dass ich es kaum ertragen konnte. Helle traut diesen Männern keinerlei tiefergehende Menschlichkeit zu, da gibt es keinen Trost, keine Gnade, ganz kurz gibt es einen Moment des Erbarmens, aber diesen auch nur, in dem einer der Freunde äußerste Brutalität anwendet.

Mich hat das Buch sehr bewegt, einmal hab ich mich auch gefragt, warum die fünf eigentlich nach Hause wollen – das erschließt sich mir nicht, da es einfach schlicht gar nichts gibt, was diese Männer antreibt, keine Hoffnung, keine Idee, nur: ‚keine Lust zu erfrieren‘ – das hätten sie einfacher haben können, wenn sie nach Süden gezogen wären, finde ich. Dafür muss man nicht nach Hause laufen.
Und zum anderen habe ich das wirklich noch nie so schonungslos erzählt bekommen, wie dünn diese zivilisierte Schicht sein könnte und wie schonungslos schnell sie verloren geht – und was dann übrig bleibt, lässt keine Hoffnung zu. Das lässt mich echt frieren!

 

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