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Mistwetter vom Feinsten …

… war’s in Koblenz beim Treffen der Edeldrucker! Dabei wollten wir doch ein bisschen ‚Nasse Platte‘ fotografieren und fachsimpeln!

Ein paar Fotografen (darunter auch ich) praktizieren auch heute noch diese alte Fototechnik, die auch Wetplate – oder nasses Kollodiumverfahren heißt, eine Technik, die um 1850 herum von Frederick Scott Archer ge- und erfunden wurde: Man giesst aus selbst angemischter Chemie (die ungefähr eine Woche reifen muss!) eine Kollodiumschicht auf eine Glasplatte (oder auch Kunststoffplatte oder Aluminiumplatte), diese wird dann in einem Silberbad lichtempfindlich gemacht und muss dann innerhalb relativ kurzer Zeit nach der Beschichtung belichtet und im mitgebrachten Dunkelkammerzelt entwickelt werden, da die Schicht nur im feuchten Zustand lichtempfindlich ist.
Die Lichtempfindlichkeit des Kollodiums entspricht etwa 0,25 ASA bis 1 ASA, das bedeutet, dass man ziemlich lange belichten muss, die Belichtungszeit selbst hängt von der vorhandenen UV-Strahlung ab – da man diese nicht ohne weiteres messen kann, wird da aus dem Bauch heraus entschieden und von Platte zu Platte nachjustiert 😉 .
Die Kollodiumschicht ist überwiegend für blaue Strahlung empfindlich, für gelb und rot dagegen kaum, das führt dazu, dass diese Farben entweder als sehr hell (blau) oder ganz dunkel (rot) wiedergegeben werden – das verändert die Bildwirkung sehr und gibt den Kollodiumbildern eine ganz eigen Anmutung.
Das ist eine ziemlich verkürzte Zusammenfassung des Verfahrens, ich werde bei Gelegenheit eine ausführlichere Übersicht ‚meiner‘ Fotoverfahren zusammenstellen und hier zeigen.

Nun – UV-Strahlung war definitiv Mangelware an diesem Tag (es hat durchgehend geregnet) , daher war das mit dem fotografieren etwas aufwendiger 😉 und wir mussten auch ein wenig abspecken: unter dem (glücklicherweise mitgebrachten) Baldachin war nicht richtig viel Platz und da musste natürlich in erster Linie die große Holzkamera stehen und außenrum wurde es dann doch schnell ein wenig eng 😉 .
So habe ich mich zurückgehalten, was das Wetplaten an sich anging (ich hatte schon beim heraussuchen der Utensilien wieder schwarze Finger vom Silbernitrat und der Ether war auch aus ein bißchen Entfernung gut zu riechen) hab aber das ganze Drumherum wieder sehr genossen, die Chemikalien, das Gießen der Platte, das konzentrierte Modell, das bei den langen Belichtungszeiten sich ganz anders präsentieren muss, als bei einem modernen Fotoshooting und nicht zuletzt das Staunen, wenn auf der  Platte im Entwicklerbad dann nach und nach das Bild erscheint.

Da ich mir ziemlich hoppladihopp in der Woche davor eine Squeezerlens gekauft  habe (Bericht folgt) konnte ich mich auch ganz gut darüber hinwegtrösten, dass wir nur eine Kamera fürs Wetplaten aufbauen konnten und hab mit der neuen Optik gespielt und ein paar Streifzüge gemacht.

Hier die ersten Bilder mit der Squeezerlens, passend zum Thema des Treffens allerdings als digitales Wetplate entwickelt, konnte nicht wiederstehen, auch wenn es natürlich nicht ganz das Gleiche ist!
Das Modell war ein sehr geduldiger junger Mann, der sonst wohl Führungen über die Feste Ehrenbreitstein macht und sich diesen Nachmittag ein paar Stunden für uns Zeit genommen hatte.

3 Comments

  1. Jolomy Jolomy

    Photographieren – wie die Pioniere à la Roger Fenton anno 1855 – mit der Dunkelkammer, montiert auf einem Pferdewagen … reitzt manchesmal sogar noch heutige Fotografen, beispielsweise Jim Rakete (http://jim-rakete.deutsches-filmmuseum.de/). Auch „lebendige“ Portraits können mit einer langen Achtel Sekunde (im Studio) entstehen!

  2. Katrin Katrin

    Die ‚alte‘ Fotografie ist wirklich sehr reizvoll, auch wenn sie sehr aufwendig ist.
    Ich mag sie auch deswegen, weil ich wirklich gezwungen bin, im Augenblick zu bleiben. Wenn man nicht zu 100% bei dem Bild bleibt, das man gerade macht, passieren schnell Fehler.

    • Jolomy Jolomy

      „Der Fotograf muss das Innere und die Psyche des Dargestellten vor dem Auslösen des Verschlusses erfassen. … Darin liegt zugleich die Unwiederholbarkeit eines Fotos begründet, es ist zwar tausendfach reproduzierbar, jedoch nicht ein einziges Mal zu wiederholen.“ [Dieter Masuhr, Über Unterschiede zwischen Fotografie und Malerei]

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