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Für und Gegen das ‚im Weg stehen‘

Vor ein paar Tagen las ich Bens Blogpost, in dem er an uns appelliert, uns nicht selbst im Weg zu stehen, unseren Zweifeln und Ängsten nicht das Feld zu überlassen und mit unseren Werken und Taten an die Öffentlichkeit zu gehen, im Zutrauen, dass es da draußen Menschen geben wird, die das gut oder inspirierend finden, was wir geschaffen haben.
Im ersten Moment hat mir seine Haltung gefallen und natürlich seine Botschaft: Trau Dich! Egal was die anderen sagen, es gibt  immer welche, denen es nicht gefällt, aber es gib ebenso immer welche, die sich daran freuen können.

Das ist ja auch ganz bestimmt richtig, manchmal bis oft hindern uns Zweifel und Ängste, uns zu präsentieren, unser Schaffen öffentlich zu machen. Und in der Regel ist es auch bei mir so, die einen mögen manche Werke gar nicht, dafür die anderen, und umgekehrt. Über die Jahre habe ich auch gelernt mit dieser Unsicherheit umzugehen und auch die Zurückweisungen und Kritiken auszuhalten, zu hören aber nicht gleich zu glauben.

Ich kann allerdings nicht sagen, dass das eine leichte Übung für mich wäre. In manchen Bildern steckt so viel Emotion, in manchen schaut man mir direkt in Herz und Seele, da ist es nicht immer ‚völlig egal‘ was andere dazu sagen.
Wenn ich mich so ungeschützt zeige dann braucht es Mut und Vertrauen, dass ich eine eventuelle Zurückweisung aushalten kann. Meist schaffe ich das, wenn die Arbeit für mich wirklich abgeschlossen ist, das Buch fertig, die Serie zusammengestellt, wenn alles rund ist und so nahe wie nur möglich an meinen Vorstellungen.
Dann kann ich es auch dieses Stückchen weit loslassen, das es für  mich braucht, um dabei zu bleiben, dass ich das so und genau so zeigen wollte – egal wie die Umwelt darauf reagiert.

Ich habe großes Glück, dass ich auch ‚unfertige‘ Arbeiten einigen Menschen zeigen kann, wenn ich feststecke oder nicht sicher bin, ob ich auf dem richtigen Weg bin – das ist aber ein anderer Ansatz und ich bin mir auch nihct immer sicher, ob das wirklich immer eine gute Idee ist – so  manche Ansätze wurden da vielleicht auch schon zu früh gestoppt (?) – darüber lohnt es sich wahrscheinlich auch mal etwas länger nachzudenken.

Trotzdem denke ich, dass es für viele Kreative einfach dazugehört, dass der Schritt ’nach außen‘ eher schwer fällt, dass man Angst hat und sich nicht für gut genug hält, dass man sehen kann, wie genial andere arbeiten und sich selbst einfach nicht daneben stellen mag oder kann – hat das denn nicht auch damit zu tut, dass man dünnhäutiger ist, aufmerksamer und nicht so dickes Fell hat? Dass man sehr intensiv wahrnimmt und auch (möglichst) alle Filter abschaltet, wenn man unterwegs ist, um einen neuen Blick zu finden, eine neue Ansicht?
Und ist das nicht auch die Gegenseite der Medallie, wenn man empfindsam ist für die Einflüsse, die man in der Außenwelt wahrnimmt um sie in die eigene Kunst einzubringen, so ist man doch sehr wahrscheinlich auch empfindsam für die Reaktionen der Außenwelt auf ebendiese Arbeiten?

Bei stepaninis ‚Dienstagsmögen‘ fand ich letzte Woche ein Zitat von Hemingway, das in meinen Augen sehr gut den Gegenpol zu Bens Anspruch formuliert:

“The best people possess a feeling for beauty, the courage to take risks, the discipline to tell the truth, the capacity for sacrifice. Ironically, their virtues make them vulnerable; they are often wounded, sometimes destroyed.”     

Damit meine ich nicht, dass Bens Idee, dass es meistens auch jemanden gibt, dem meine Arbeiten gefallen, falsch ist – aber das es manchmal auch ganz gesund sein kann, nicht nach außen zu gehen, nämlich dann, wenn man noch nicht genug Distanz oder ‚Kritik-Fell‘ hat, um die Reaktionen noch nicht auszuhalten, aus welchen Gründen auch immer.
Denn manchmal (vielleicht sehr oft) ist die kreative Arbeit doch auch ein sehr privater Weg, sich die Welt zu erklären, zu schaffen, Gefühle und ganz diffuse Dingen eine Form geben zu können, sie in die eigene Wirklichkeit zu übersetzen und allein damit eine persönliche Verarbeitung zu ermöglichen – ganz ohne Außenwelt! Ich stimme Bens Aussage, dass jeder seine Arbeiten ausschließlich deshalb macht, um sie zeigen zu können, nicht zu – manches mal ist es nur und ausschließlich wichtig für mich allein.

Und manchmal kann ich mich soweit von meiner Arbeit lösen, dass ich die Ansichten anderer hören kann und will – aber manchmal auch nicht. Und dann ist es wohl ganz gesund, dass ich zumindest Vorsicht darin walten lasse, wie öffentlich ich diese Werke mache.

One Comment

  1. Katrin Katrin

    Offensichtlich geht die Kommentarfunktion jetzt gerade gar nicht mehr – bitte alle Kommentaristen um Entschuldigung, das ist echt anstrengend! Conny hat mir diesen Kommentar per mail geschickt:

    „Dein Post spricht mir aus der Seele. Und auch ich widerspreche der Aussage, man würde Arbeiten erstellen, um sie zu veröffentlichen. Nein, ich zeige nur einen Mini-Bruchteil meiner Arbeiten und fotografiere im ersten Ansatz grundsätzlich erstmal für mich selbst. Fotografie ist auch Ausdruck meiner Persönlichkeit, ein Bewältigen, eine Konfrontation und ein Herauslassen und insofern oft so nah an mir, dass ich anstelle eines Fotos auch gleich einen Tagebuch-Eintrag veröffentlichen könnte, was ich auch nie tun würde.

    Liebe Grüße

    Conny“

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