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Sommerferien in Château-Gontier

Seit gestern versuche ich mich an diesen Sommer in Château-Gontier zu erinnern. anfänglich war es schwierig, sozusagen die richtige Schublade zu finden … aber so nach und nach kommen immer mehr Erinnerungen…

– an das Frühstück mit dem Café au lait aus einem bol
– an einen Fischmarkt, auf dem sich ein riesiger Berg an Krebsen langsam und mit leisen schabenden Geräuschen hin und her bewegte
– an die Zubereitung der Krebse – ich war völlig entsetzt, dass sie lebend ins kochende Wasser geworfen wurden und alle Zusicherungen, dass das ein schneller Tod sei, konnten mich nicht trösten
– meine Mutter, fließend französisch sprechend und in ihrem Element
– an ein Freibad, in dem alles verboten war, planschen, mit Wasser spritzen, springen, essen, Musik hören… und das zur Mittagszeit für zwei Stunden geschlossen wurde
– meine Mutter, die würgend und hustend aus ihrem Zimmer stürzte, in dem sie ‚mal gründlich‘ ein Insektenvertilgungsmittel versprüht hatte
– meine Mutter, die beim Filmwechsel der neuen Kamera alle Filme zeriss, und mir dann die Kamera überliess
– völlig überraschendes Händeschütteln im (katholischen) Gottesdienst
– Jean-Baptistes Orgelspiel – beeindruckend in der grossen Kirche
– die Entdeckung des Diablo menthe
– zwei Dörfer, wie ich sie nur aus Büchern kannte, abgeschieden, schläfrig, Zimmer mit geschmiedetem Bettgestell, verwunschene Gärten, der Priester auf der Strasse in schwarzer Soutane, Männer in der Kneipe, die auch Tabakladen war
– heimliche Zigaretten mit dem jüngsten Sohn der Gastfamilie
– in dessen Nachttisch ich bei der Suche nach einem Versteck für die Raucherutensilien Hefte mit nackten Schönheiten fand (ich war in sein Zimmer einquartiert worden), was unsere erste Begegnung als er am Wochenende zu Besuch kam, für mich ziemlich schwierig und aufregend machte – ich konnte ihm kaum in die Augen sehen

In diesem Sommer stand ich an der Schwelle heraus aus der Kindheit. Blicke veränderten sich, in einigen Momenten geriet ich aus dem kindlichen relativ unbeteiligt-dabei-sein – schon alleine der Sprache wegen, die ich kaum verstand, schwamm ich im allgemeinen Geschehen eher mit – in den Fokus eines männlichen Blickes – und verstand: der meint mich.

3 Comments

  1. Joe Lucky Joe Lucky

    Singing ‚Sweet home Alabama‘ all summer long …

    • pilami pilami

      das überlege ich heute schon den ganzen Tag, aber ich kann mich leider überhaupt nicht mehr erinnern, was damals ‚meine Musik‘ war – vielleicht die Dire Straits?
      ‚Sweet home …‘ Ist aber ziemlich unwahrscheinlich 😉

      • Joe Lucky Joe Lucky

        Dire Straits ist gut möglich – Chris Rea und Huey Lewis sind sehr wahrscheinlich auch dabei gewesen … aber Kopfkino mit solchen Bildern gibt’s auch bei Kid Rock 🙂

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